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Ganz und gar nicht überflüssig: Ballaststoffe

 width=Viele Menschen nehmen zu wenige Ballaststoffe zu sich. Dabei lässt sich ein Mangel recht einfach verhindern. Wofür brauchen wir Ballaststoffe, und worin stecken sie?

Der Name ist ein bisschen irreführend,

denn unter Ballast versteht man ja landläufig etwas, dass man überflüssigerweise mit sich herumträgt. Und tatsächlich stammt der Name aus einer Zeit, in der man die inzwischen als wertvollen Nahrunsgbeitrag erkannten Komponenten unseres Essens für überflüssig hielt. Aber heute weiß man: Ballaststoffe sind kein Ballast, sondern im Gegenteil für viele Abläufe im Körper gesund und hilfreich. Lange galten die oft nicht ganz korrekt als Faserstoffe bezeichneten Stoffe vor allem deshalb als unnütz, weil der Darm aus ihnen praktisch keine Energie ziehen kann und sie einfach wieder ausscheidet. Doch inzwischen wissen Ärzte und Ernährungswissenschaftler es besser: Ballaststoffe sind gesund. Eine hohe Zufuhr kann helfen, diversen Krankheiten vorzubeugen und sollte fester Bestandteil der Ernährung sein. Als Richtwert für den Tagesbedarf empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag für Erwachsene.

Was sind Ballaststoffe?

Ballaststoffe sind faserreiche Inhaltsstoffe, die fast ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen, in tierischen Produkten findet man sie praktisch nicht. Vor allem handelt es sich dabei um verknüpfte Zuckermoleküle, die der Darm nicht oder nur unzureichend verdauen kann, als Energielieferanten taugen sie daher tatsächlich nicht. Ballaststoffe lassen sich in wasserlösliche und -unlösliche unterteilen. Beide Gruppen haben unterschiedliche Eigenschaften. Zu den löslichen zählen zum Beispiel Pektine, Inulin und beta-Glukane, zu den unlöslichen vor allem Zellulose.

Welche Wirkung haben Ballaststoffe?

Unlösliche Ballaststoffe können Wasser binden und im Darm aufquellen. Dadurch vergrößern sie das Stuhlvolumen und bewirken, dass der Darminhalt schneller weitertransportiert wird. Ballaststoffe regen auf diese Weise die Verdauung an und helfen zum Beispiel, Verstopfung vorzubeugen. Lösliche Ballaststoffe ziehen ebenfalls Wasser an, aber sie werden im Dickdarm von Bakterien zerlegt. Der vermeintliche Ballast dient dann unserer Darmflora als Nahrung und trägt auf diese Weise wesentlich dazu bei, die Verdauung optimal zu regeln und die beteiligten Organe gesund zu halten. Obwohl die faserreichen Stoffe den Magen-Darm-Trakt also praktisch nicht Richtung Blut verlassen und deshalb dem restlichen Organismus nicht zur Verfügung stehen (anders zum Beispiel als Vitamine und Mineralstoffe), haben sie durchaus weitreichende Wirkungen. Bereits im Magen verdicken sie den Speisebrei, verzögern dadurch die Magenentleerung und machen uns so länger satt. Dadurch können sie Übergewicht vorbeugen und Menschen dabei helfen, ihr Gewicht zu halten. Wer abnehmen möchte, kann sich den sättigenden Effekt ebenfalls zunutze machen, wenn er sich ballaststoffreich ernährt.

Ballaststoffe bewirken außerdem,

dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen langsamer ansteigt und deshalb weniger Insulin freigesetzt wird. Das kommt Menschen mit Diabetes zugute, weshalb Ärzte und Ernährungswissenschaftler ihnen oft empfehlen, genügend Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Vermutlich senkt eine ballaststoffreiche Ernährung auch das Risiko, überhaupt Diabetes zu bekommen – insbesondere von Haus aus ballaststoffreiche Vollkornprodukte zeigen in Studien schützende Effekte. Ein langsam ansteigender Blutzuckerspiegel verringert außerdem das Gefühl des „Heißhungers“ und kann auch dadurch beim Abnehmen unterstützen.

All diese positiven Effekte haben Forscher der Universität Harvard dazu bewegt

eine große Übersichtsstudie zu Ballaststoffen durchzuführen. Dabei fanden sie heraus, dass von über 700.000 Studienteilnehmern im Studienzeitraum umso weniger starben, je mehr Ballaststoffe sie täglich zu sich nahmen. Wer jeden Tag mindestens 70 Gramm Vollkorn aß, hatte sogar ein um 20 Prozent niedrigeres Risiko, aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs zu sterben. Auch groß angelegte Studien sollten zwar immer mit ein wenig Skepsis betrachtet werden, weil viele Komponenten einfließen, die sich manchmal schlecht isolieren lassen – eine deutliche Tendenz scheint in diesem Fall aber dennoch erkennbar

Ballaststoffreiche Lebensmittel: Obst, Gemüse, Getreide

Ballaststoffe kommen vorwiegend in Obst, Gemüse und Getreide vor. Letzteres sollten wir  möglichst als Vollkornprodukt zu uns nehmen, denn in den Randschichten der Getreidekörner stecken die meisten Ballaststoffe. Bei Brot, Reis, Nudeln und anderen Getreideprodukten ist die Vollkornversion deshalb zu bevorzugen – wer allerdings die weißen Varianten lieber mag, kann den gleichen Effekt zum Beispiel durch ein paar Scheiben Roggenknäckebrot zwischendurch erreichen. Und auch Hülsenfrüchte wie Bohnen und Kichererbsen, viele Kohlsorten und Schwarzwurzeln sind beispielsweise Gemüse, die viele Pflanzenfasern enthalten.

Deshalb raten Ernährungsexperten

Alle Obst- und Gemüsesorten essen, die wir mögen und die uns gut bekommen, denn alle tragen zur Ballaststoffzufuhr bei. Außerdem ist es ohnehin sinnvoll, bunt und abwechslungsreich zu essen, weil verschiedene Pflanzenfasern unterschiedliche Wirkungen aufweisen. Um genügend Ballaststoffe aufzunehmen empfehlen sich drei bis vier Scheiben Vollkornbrot, eine Portion Getreideflocken und genug Obst und Gemüse täglich.

Ballaststoffzufuhr langsam steigern

Wer bisher eher wenig Ballaststoffe gegessen hat und die Zufuhr nun erhöht, reagiert zunächst möglicherweise mit Blähungen, Völlegefühl und Darmgrummeln, denn der Darm hat auf einmal mehr zu tun und muss sich erst an eine ballaststoffreichere Kost gewöhnen. Mit der Zeit lassen die Beschwerden aber normalerweise nach, der Körper und die Verdauung stellen sich darauf ein. Manche Menschen allerdings vertragen grundsätzlich nicht alle Faserstoffe oder nur eine gewisse Menge davon. Hier gilt es dann, in Absprache mit Arzt oder Ernährunsgberatung die individuelle Verträglichkeit auszutesten.

Reagiert der Darm anfangs empfindlich,

sollte man mit Hülsenfrüchten, Zwiebeln und Kohlsorten eher sparsam umgehen und lieber andere Gemüse auftischen. Statt einem grobkörnigen Vollkornbrot bietet sich vielleicht ein fein vermahlenes an oder ein Roggenmischbrot, oder eben auch wie erwähnt Knäckebrot aus Roggenmehl. Auch empfehlen sich Gemüsesuppen – sie sind leicht verdaulich und enthalten neben den Ballaststoffen auch gleich genügend Flüssigkeit. Denn, auch das ist wichtig: Ausreichend trinken sollte man, damit die Pflanzenfasern im Darm aufquellen können. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät zu rund 1,5 Litern täglich, sofern aus gesundheitlichen Gründen nichts dagegen spricht.

Vom Altersleiden zur Volkskrankheit: Bluthochdruck geht jeden an

 width=Unser Blutdruck ist ein sicherer Indikator dafür, wie es um unsere Gesundheit bestellt ist, und bei fast jeder ärztlichen Untersuchung werden zunächst mal Puls und Blutdruck bestimmt – aus gutem Grund.

Der Blutdruck beschreibt die Kraft,

mit der das Blut gegen die Gefäßwände der Arterien drückt. Das Blut wird vom Herzen durch die Arterien gepumpt und dadurch wird entsprechend Druck auf die Gefäßwände ausgeübt. Wenn der Blutdruck, also der Druck auf die Gefäßwände zu hoch ist, wird er zum Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislaufs-Systems und gehört zu den häufigsten Todesursachen. Deshalb werden die Blutdruckwerte bei fast jedem Arztbesuch geprüft.

Ein zu hoher Blutdruck,

das wissen viele, ist nicht gut, aber auch ein zu niedriger Blutdruck kann auf gesundheitliche Probleme hindeuten. Von einem erhöhten Blutdruck (arterieller Hypertonie oder kurz Hypertonie) spricht man, wenn bei einer korrekt durchgeführten Messung Werte über 140/90 mmHg gemessen werden. Probleme mit dem Blutdruck galten einmal als Alterskrankheit, doch längst finden Ärzte bei immer mehr jungen Menschen Blutwerte von 140/90 mmHg und höher. Die Zahl der männlichen Betroffenen zwischen 18 und 29 Jahren hat sich allein zwischen 1998 und 2011 verdoppelt – auf fast neun Prozent. Experten der Deutschen Hochdruckliga schätzen zudem, dass bereits fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen einen zu hohen Bluthochdruck haben.

Wie kommt es dazu? Was sind die Ursachen von Bluthochdruck gerade bei jungen Menschen – und was kann man tun?

Abgesehen von altersbedingten Versteifungserscheinungen der Blutgefäße sind die Ursachen ziemlich die gleichen wie bei älteren Menschen: Vor allem die familiäre Veranlagung und der Lebensstil gelten als Risiko. Zu letzterem zählen vor allem Übergewicht, Bewegungsmangel und eine falsche Ernährung – mit zu viel Salz zum Beispiel. Die empfohlene Menge von sechs Gramm Salz pro Tag wird häufig und deutlich überschritten, vor allem in vielen Snacks und Fertiggerichten lauern oft hohe Salzanteile. Wer sich auf dem Sofa eine Tüte Chips oder Erdnüsse einverleibt, ist damit oft schon ziemlich am Limit – und die übrige Ernährung über den Tag kommt ja noch dazu.

Nicht belegt, aber dennoch naheliegend scheint die Vermutung, dass das vergangene Jahr die Probleme gerade bei jungen Menschen eher verschärft hat:

Sport fiel weitgehend aus, selbst der Radweg zur Schule fand oft nicht statt, und im Home-Schooling sich selbst überlassen wird sich mancher Schüler statt Vollkornbrot und Salat vermutlich schon mal den Griff zur Chipstüte oder ins Fach mit den Tiefkühpizzen gestattet haben. Ab und zu kein Problem, auf Dauer aber kann das schon in jungen Jahren Auswirkungen haben.

Alkohol, Rauchen und Stress treiben den Blutdruck ebenfalls in die Höhe,

sowohl Nikotin als auch Stresshormone bewirken, dass die Blutgefäße sich zusammenziehen und – klar – wenn die Leitung dünner wird, steigt bei gleicher Flüssigkeitsmenge der Druck.

Und wie bemerkt man, dass man einen zu hohen Blutdruck hat?

Wirkliche Symptome gibt es erstmal nicht: Das Heimtückische am Bluthochdruck ist, dass er oft lange Zeit keine spürbaren Beschwerden verursacht. Manchmal führen Anzeichen wie ein rotes Gesicht, Klopfen an den Schläfen, Schwindel, Luftnot, Schlaflosigkeit oder Ohrensausen zur Diagnosestellung – ebenso oft bemerkt man aber auch nichts. Wenn keine Blutdruckmessungen in der Prävention durchgeführt werden, machen sich leider häufig erst die Folgeschäden für den Patienten bemerkbar – wenn es also oft schon zu spät ist.

Man muss also messen, da hilft alles nichts.

Denn viele Menschen wissen gar nicht, dass ihre Werte zu hoch sind: Die Dunkelziffer bei den Frauen liegt bei circa 30 Prozent, von den betroffenen Männern wissen sogar 40 bis 75 Prozent nichts von ihrer Krankheit. Die Messung kann man mit einem entsprechenden Gerät einfach selbst und zu Hause durchführen, und die meisten Hypertonie-Patienten machen das auch. Wer „nur mal schnell“ schauen will, wie es denn steht mit dem eigenen Blutdruck (also zum Beispiel jüngere Menschen), kann das natürlich beim Arzt, aber auch in den meisten Apotheken checken lassen.

Warum sind die Werte so gefährlich?

Bluthochdruck ist gefährlich, weil er eine Hauptursache von Schäden an großen und kleinen Arterien darstellt. Mögliche Folgen sind Krankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall, Nierenversagen oder Sehstörungen durch Netzhautschäden. Je höher der Blutdruck schon bei jungen Menschen ist und je länger er andauert, desto mehr schädigt er unter anderem die Herzmuskelfunktion.
Neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass nicht nur Schlaganfälle wahrscheinlicher werden, sondern auch das Gehirngewebe selbst Schaden nimmt. Wissenschaftler stellten bei Studienteilnehmern mit Bluthochdruck ab mittlerem Alter zum Beispiel ein reduziertes Hirnvolumen fest. Und Forscher in Leipzig maßen schon bei jungen Patienten bis 40 Jahre mit geringfügig erhöhtem Blutdruck Gehirnveränderungen. Ob daraus spätere Schäden resultieren, muss jedoch noch weiter untersucht werden. Fest steht aber: Bluthochdruck ist keine Altersfrage mehr, und je früher er festgestellt und behandelt wird, desto besser.

Die Absenkung des Blutdrucks in den Normalbereich reduziert das Risiko von Organschäden an Gefäßen, Herz, und Niere erheblich – und dafür kann man ohne großen Aufwand ziemlich viel tun:

Gewichtsreduktion: Eine Gewichtsreduktion von ca. 5 kg kann den Blutdruck im Mittel um ca. 5/3 mmHg senken, wenn man mehrere Lebensstilmodifikationen kombiniert (z.B. gleichzeitige Reduktion des Kochsalzkonsums) erhöht sich der Effekt deutlich.

Mehr Bewegung: Besonders zielführend ist Ausdauertraining – zum Besipiel zwei- oder dreimal pro Woche 30 Minuten lang schnell gehen, joggen, Fahrrad fahren oder schwimmen. Sport bewirkt eine Blutdrucksenkung, eine Herzdurchblutungssteigerung, eine verbesserte Insulinwirkung, einen Blutzuckerabfall und vieles mehr, das dem Blutdruck gut tut.

Umstellung der Ernährung: Empfohlen wird eine Obst-, Gemüse- und Getreidereiche Ernährung mit dem Schwerpunkt auf Milchprodukten mit niedrigem Fettgehalt sowie magerem Fleisch, Geflügel und Fisch. Nüsse, Hülsenfrüchte und der Verzehr von kaliumreichen Früchten (z.B. Bananen) wirken sich ebenfalls positiv aus.

Bewusste Beschränkung von Kochsalz auf unter 5 Gramm pro Tag. Fertiggerichte, salzige Snacks, gepökelte Fleisch- und Räucherwaren möglichst meiden, auch in vielen Gebäcksorten ist viel Kochsalz enthalten.

Reduktion des Alkoholkonsums auf ein Glas Wein oder ein bis zwei Bier pro Tag.

Stress abbauen: Das gelingt oft mit Bewegung in der Natur, andere nutzen Yoga etc.

Wenn diese Maßnahmen allein nicht zur Blutdrucknormalisierung reichen,

werden durch den Arzt zusätzlich Medikamente verschrieben. Sowohl die Entscheidung für den Beginn einer medikamentösen Therapie wie auch für die Festlegung der Therapieziele sind aber individuell vom Arzt anzupassen. Normalisieren sich die Blutdruckwerte unter der Medikamenteneinnahme, so dürfen die Wirkstoffe nicht eigenmächtig abgesetzt werden, weil sonst gefährliche Blutdruckschwankungen auftreten können.

 

Stark, aber empfindlich: Stoßdämpfer Bandscheibe

 width=Seit unsere Vorfahren den aufrechten Gang entdeckten und fortan vertikal durch die Steppe streiften, hat der Mensch vermutlich auch Bekanntschaft mit dem Thema Rückenschmerzen gemacht – denn anders als auf vier Beinen lastete plötzlich das ganze Gewicht des Oberkörpers auf den empfindlichen Verbindungsstücken des Rückens. Bandscheiben gelten als Stoßdämpfer der Wirbelsäule. Sie sitzen zwischen den einzelnen Wirbeln und verhindern, dass diese aneinander reiben. Funktioniert der Puffer nicht richtig, kann es zu Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen kommen.

Zwei benachbarte Wirbelkörper sind durch eine Bandscheibe (Zwischenwirbelscheibe) fest miteinander verbunden

Die Bandscheiben sorgen für die Beweglichkeit der Wirbelsäule und wirken wie Puffer zwischen den Wirbeln. Eine Bandscheibe besteht aus einem elastischen Ring aus festem, faserigem Bindegewebe (Faserring) und einem weichen Kern aus gelartiger Flüssigkeit (Gallertkern). Ihre äußere knorpelähnliche Hülle ist mit der Knochenhaut der Wirbelkörper verwachsen. Ähnlich wie ein gut gefülltes Wasserkissen dämpft der Gallertkern Stoß- und Druckbelastungen ab und sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der Belastungen. Der feste Faserring, der den Gallertkern umschließt und schützt, kann starken Zug- und Druckkräften standhalten: Bandscheiben können das Gewicht eines Kleinwagens aushalten. Doch natürlicher Verschleiß und einseitige Belastung machen die starken Stoßdämpfer unserer Wirbelsäule auf Dauer mürbe. Schmerzhafte Bandscheibenvorfälle lassen sich dennoch oft vermeiden.

In orthopädischen Praxen gehört die Behandlung von Bandscheibenvorfällen zur Tagesordnung

Der heftige Schmerz trifft in Deutschland jedes Jahr rund 180.000 Menschen, meistens im besten Alter zwischen 30 und 50: Männer wie Frauen, Bauarbeiter wie Banker. Letztere gehören tatsächlich zur größten Risikogruppe: denn durch langes Sitzen wird zum einen die Wirbelsäule einseitig belastet. Zum anderen wird der Stoffwechsel in den Bandscheiben nicht ausreichend angeregt. Deswegen sind Büroarbeiter besonders anfällig für Bandscheibenvorfälle.

Der Stoffwechsel der Bandscheiben funktioniert also über Bewegung (Be- und Entlastung) – zum Beispiel beim Gehen

Störend wirkt dagegen eine ständige einseitige Druckbelastung wie bei langem, unbeweglichem Sitzen, aber auch dauernde Unterbelastung wie durch lange Bettruhe.
Außer Bewegungsmangel beeinflusst auch der natürliche Alterungsprozess den Stoffwechsel der Bandscheiben. Mit zunehmendem Alter nimmt der Flüssigkeitsgehalt des Gewebes ab, der Faserring wird spröde, der Gallertkern ist nicht mehr so prall gefüllt. Die Bandscheiben werden dünner, können Erschütterungen nicht mehr so gut abpuffern und sind verletzlicher. Können in jungen Jahren noch bis zu ungeheuren 1,5 Tonnen (so viel wiegt ungefähr ein Kleinwagen) abgefedert werden, vermindert sich diese Fähigkeit im höheren Alter auf 450 Kilogramm. Und man muss keinen Pkw in die Höhe lupfen, um derartige Kräfte auf die Wirbelsäule wirken zu lassen – falsch angepackt, erledigt das auch ein Sack Zement – oder der 10jährige Enkel, der Opa auf den Arm hopst.

Die größte Belastungsprobe für eine Bandscheibe besteht darin,

hohen Druck über einen längeren Zeitraum auszuhalten. Man kann sich das vorstellen wie bei einem gefüllten Berliner: Wenn man zu stark drückt, quillt irgendwo die Marmelade heraus. Genau das passiert bei einem Bandscheibenvorfall. Der Faserring – porös geworden durch mangelnde Bewegung, Nährstoffmangel und den natürlichen Alterungsprozess – hält irgendwann dem Druck des zähflüssigen Gallertkerns nicht mehr stand und reißt ein. Durch diese Risse kann sich die „Marmelade“ nach außen schieben – etwa beim Bücken oder bei einer ungeschickten Kopfbewegung.

Trifft die Bandscheibensubstanz auf Nervengewebe,

kann es zu einer Entzündung kommen. Die typischen Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall strahlen bis in die Beine (bei einem Vorfall im Lendenbereich) oder seltener in die Arme (wenn die Halswirbelsäule betroffen ist) aus. Auch ein Kribbeln in Bein oder Arm, Taubheitsgefühle oder gar Lähmungserscheinungen können durch einen Bandscheibenvorfall verursacht werden. In seltenen Fällen können sogar Blasen- und Darmfunktion durch den verrutschten Gallertkern lahmgelegt werden. In solchen Fällen oder bei schwerwiegenden Lähmungen sollte der Bandscheibenvorfall so schnell wie möglich operiert werden, um bleibende Schäden zu verhindern.

Solche Operationen bilden aber in der Behandlung von Bandscheibenvorfällen glücklicherweise die Ausnahme

In neun von zehn Fällen lässt sich die Bandscheibe ohne operativen Eingriff behandeln, Orthopäden sprechen hier von einer „konservativen Therapie“. In der Akutphase geht es zunächst darum, die entzündeten Nerven zu beruhigen und die Schmerzen zu lindern. Ansonsten gilt in den folgenden sechs bis acht Wochen: Schonung und sanfte Bewegung. In dieser Zeit trocknet die ausgetretene Gallertmasse aus, wird dadurch kleiner und belastet nicht mehr den Nerv. Dann ist eine spezielle Krankengymnastik sinnvoll.

Um sich künftig vor weiteren Vorfällen zu schützen,

hilft es, vorhandene Fehlhaltungen zu korrigieren und die entsprechende Muskulatur zu stärken. Vor allem die Bauchmuskeln spielen bei der Entlastung der Wirbelsäule beim Heben eine große Rolle.

Das kann schützen:

Das Gewicht einer Last können Sie nicht beeinflussen. Sie können jedoch Körperhaltungen vermeiden, die Ihre Wirbelsäule unnötig beanspruchen.

Die wichtigste Regel lautet: Halten Sie den Rücken möglichst gerade. Heben oder tragen Sie Lasten nicht mit gekrümmtem, nach vorn gebeugtem Oberkörper oder mit einem Hohlkreuz.

Heben Sie die Last so nah am Körper wie möglich.

Halten Sie den Rücken beim Heben gerade und nutzen Sie auch die Kraft Ihrer Beinmuskulatur.

Achten Sie auf eine gute Spannung Ihrer Bauchmuskulatur.

Bringen Sie so viel Bewegung wie möglich in Ihren Alltag: Nehmen Sie die Treppe statt des Aufzugs, lassen Sie Ihr Auto für Strecken unter fünf Kilometer einfach stehen und radeln Sie, steigen Sie eine Haltestelle früher aus und gehen ein Stück zu Fuß, drehen Sie nach dem Mittagessen oder vorm Schlafengehen einmal eine Runde um den Block …

Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz abwechslungsreich: Gehen Sie ein paar Schritte zum Drucker, stellen Sie oft benötigte Ordner nicht in Griffweite auf, stehen Sie zum Telefonieren auf.

Bleiben Sie gesund!

Ihre Apotheke

Wenn sich die Pollen tollen: Hilfreiche Heuschnupfen-Tipps

 width=Für die meisten beginnt mit dem Frühjahr die schönste Zeit des Jahres, keine Frage – für andere allerdings eine echte Leidenszeit. Es ist Heuschnupfensaison, und die vielen Menschen mit rot verschwollenen Augen, mit laufenden Nasen und nass genießten Taschentüchern könnten auf den Frühling ganz oder teilweise gern verzichten. Denn was mit dem Begriff Heuschnupfen irgendwie niedlich umschrieben wird, ist eine mehr als lästige, mitunter sogar gefährlich Krankheit, die jedes Jahr ungefähr 15 Millionen Menschen zu Verzweiflung treibt. Das ist dann auch der Grund, warum jedes Jahr wieder an dieser (oder ähnlicher) Stelle ein paar Tipps zum Thema aufgelistet werden: Denn erstens kann man durch sein Verhalten zumindest den Schwere-Grad der Symptome oft deutlich nach unten korrigieren, und zweitens sollte eine echte Pollenallergie in jedem Fall vom Arzt begutachtet und gegebenenfalls therapiert werden, um Verschlimmerung und Folgekrankheiten auszuschließen.

Die durch Pollen ausgelösten Allergien nehmen zu,

und viele mögliche Gründe werden dafür verantwortlich gemacht: Übertriebene Hygiene etwa, steigende Feinstaubkonzentrationen in der Luft, Pflanzen mit aggressiven Allergenen, stärker werdender Stress – das alles kann zu Allergien im Allgemeinen und zu Pollenallergie und Heuschnupfen im Besonderen führen. Denn unser Immunsystem wird durch diese Faktoren getäuscht und erklärt die eigentlich harmlosen Pollen zu bösen Feinden. Unser Abwehrsystem wird in höchste Alarmbereitschaft versetzt und schüttet in erhöhtem Maße das Hormon Hystamin aus, um die vermeintlich gefährlichen Erreger ohne Rücksicht auf Verluste zu bekämpfen. Das es überhaupt nicht gebraucht wird, spielt keine Rolle, Alarm ist schließlich Alarm – die Nebenwirkungen bleiben allerdings Tatsache, so dass die hormonelle Abwehr schließlich den Heuschnupfen auslöst. Und der ist oft nicht ungefährlich, denn in über 40% der Fälle führt er zu weiteren Erkrankungen der Atemwege bis hin zu Asthma. Es ist also wichtig, dass man zum Arzt oder gleich zum Allergologen geht, um Schlimmeres zu verhindern. Aber auch die Naturmedizin kennt Mittel und Wege, Pollenallergie und Heuschnupfen zu entgehen oder zumindest die Auswirkungen zu lindern.

Die ersten Pollen sind schon fast wieder aus der Luft,

Erle und Haselnuss zum Beispiel haben mit dem März den Höhepunkt Ihres Pollenflugs bereits hinter sich – für die meisten anderen Arten aber geht es jetzt erst so richtig los, und die Saison zieht sich mit Gräsern, Getreide und südlicheren Baumsorten bis in den späten Sommer. Die ganz heiße Phase aber steht uns jetzt bevor, und wer betroffen ist, sollte sich über die aktuelle Pollenflug-Situation in Tageszeitungen, im Radio oder im Internet auf dem laufenden halten. An Tagen mit starkem Pollenflug kann man die allergische Reaktion vielleicht nicht komplett verhindern, aber zumindest ein paar Vorsichtsmaßnahmen treffen. Hier sind die hilfreichsten Tipps dazu:

Pflegen Sie Ihre Haut,

denn Pollen können auch über diesen Weg in den Körper gelangen und zu Juckreiz, Rötungen und Hautirritationen führen.

Halten Sie sich in der Zeit,

in der Ihre Pollen intensiv fliegen, möglichst wenig im Freien auf und vermeiden Sie dort vor allem anstrengende Betätigungen (Sport). Bei anstrengenden Tätigkeiten atmen Sie kräftiger ein und es gelangen mehr Pollen in die Luftwege – also besser flach atmen.

Legen Sie Ihren Urlaub möglichst in die Zeit,

in der zu Hause die meisten Pollen fliegen. Reisen Sie in allergenarme Gebiete, z. B. auf Inseln, ans Meer oder ins Gebirge.

Lassen Sie beim Autofahren die Fenster geschlossen und schalten Sie die Lüftung aus

Denn mit der frischen Luft gelangen auch jede Menge Pollen ins Wageninnere. Noch besser: lassen Sie einen Pollenfilter einbauen.

Auf dem Land sind morgens die Pollenkonzentrationen hoch, in der Stadt abends

Lüften Sie daher Ihre Wohnung in ländlichen Gebieten abends zwischen 19 und 24 Uhr, in der Stadt morgens zwischen 6 und 8 Uhr.

Achten Sie beim Kauf eines Staubsaugers darauf,

dass er einen speziellen Feinstaubfilter hat. Trotzdem sollten Sie die Filtertüte mindestens alle zwei Wochen austauschen. Idealerweise sollte der Betroffene selbst nicht saugen und währenddessen auch nicht anwesend sein.

Waschen Sie sich die Haare,

bevor Sie zu Bett gehen. Legen Sie Ihre Straßenkleidung vor dem Schlafzimmer ab, damit im Schlafzimmer selbst die Pollenbelastung möglichst gering ist.

Tragen Sie im Freien eine Brille oder Sonnenbrille

Das hält die Pollen zumindest ein wenig von den Augen fern.

Selbst ist der Patient: So testen Sie richtig!

 width=Es zeichnet sich ab: Die Sache mit dem Virus zieht sich noch ein bisschen hin, eine schnelle und unkomplizierte Lösung gibt es nicht. Das Impfen wird auf mittlere Sicht sicher für Entlastung sorgen, der Sommer mit viel Licht und Wärme vermutlich auch – nützt uns im Moment aber erstmal nichts, denn noch ist es ziemlich kalt und das mit dem Impfen, … naja. Besondere Bedeutung kommt daher den Tests zu – und seit dem 8. März kann sich ja auch jeder einmal pro Woche kostenlos einem Corona-Schnelltest unterziehen. Aber auch Tests für den privaten Gebrauch sind nun erlaubt. Dabei stellt sich die Frage, welche Art von Test wann und wo geeignet ist, an wen man sich wendet und wie man zum Beispiel einen Selbsttest richtig anwendet. Wir haben ein paar Fakten zusammengetragen:

Schnelltest, Selbsttest, PCR-Test:

Zur Strategie im Kampf gegen das Coronavirus gehören umfangreiche Tests in allen Bevölkerungsgruppen. Was ist bei Selbsttests zu beachten und für wen eignen sie sich?

Aktuell sind drei verschiedene Methoden zugelassen,

um eine akute Infektion mit dem Coronavirus nachzuweisen. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Anwendung, sondern auch in der Zuverlässigkeit der Ergebnisse. Endet ein Test mit dem Ergebnis „positiv“, ist der Getestete mit dem Virus infiziert, „negativ“ bedeutet, dass er nicht infiziert ist. Wobei alle Testarten mehr oder weniger geringe, aber dennoch vorhandene Fehlerquoten aufweisen.

Schnelltests und Selbsttests gehören zu den Antigentests

Sie weisen Eiweißstrukturen des Coronavirus nach. Dazu wird mit einem Stäbchen ein Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum genommen und zusammen mit einer Flüssigkeit auf einen Teststreifen gegeben. Dieser reagiert auf Eiweißbestandteile des Virus und zeigt dies mit einer Verfärbung an. Antigentests zeigen das Ergebnis nach 15 bis 30 Minuten an.

Beim PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion) wird ebenfalls ein Abstrich genommen

Im Labor wird das Erbmaterial der Viren stark vervielfältigt. Damit kann es auch nachgewiesen werden, wenn es ursprünglich nur in geringen Mengen vorhanden war. Der Test dauert vom Abstrich, über den Transport ins Labor, bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses meist mindestens 48 Stunden.

Selbsttest: Der Einfache für zu Hause

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat mehrere Antigen-Tests in einem Schnellverfahren zugelassen, die auch von medizinischen Laien selbst angewendet werden können. Diese Selbsttests werden in Apotheken und anderen Geschäften wie Drogeriemärkten und Supermärkten verkauft. Pro Test kosten sie zwischen etwa fünf und zehn Euro, die die Kunden selbst bezahlen müssen. Dem Selbsttest liegt eine ausführliche Anleitung bei, die die exakte Anwendung beschreibt. Der Abstrich wird möglichst weit in der Nase entnommen, mit einer beigelegten Flüssigkeit vermischt und auf ein markiertes Feld des Tests getropft. Die richtige Anwendung entscheidet erheblich über die Zuverlässigkeit des Ergebnisses.

Bei positivem Ergebnis folgt ein PCR-Test

Zeigt der Test ein positives Ergebnis an, ist das kein Beleg für eine Infektion mit dem Corona-Virus, da die falsch positive Fehlerquote relativ hoch ist. Daher muss jedes positive Ergebnis durch einen PCR-Test überprüft werden. Wer ein positives Schnelltest-Ergebnis hat, sollte jeden Kontakt mit anderen Personen vermeiden und einen Arzt oder das Gesundheitsamt anrufen, um einen PCR-Test zu vereinbaren.